Beim Coaching geht es um Ressourcen, Emotionen, Potenziale und Empathie. Es geht um den Menschen und um seine individuellen Bedürfnisse, Ziele und Wünsche. Auf den ersten Blick scheint dieses nicht so ganz mit der Künstlichen Intelligenz zusammen zu passen. Aber wenn wir uns das Thema „KI“ mal genauer anschauen, finden wir schnell den einen oder anderen unterstützenden Aspekt für das Coaching.

Hierzu müssen wir zunächst wissen, was Künstliche Intelligenz (ff. KI) eigentliche bedeutet?
Eine Abfrage von bestimmten Daten, die miteinander verrechnet oder verglichen werden, kennen wir von herkömmlichen Computerprogrammen. Das Ergebnis dieser Berechnungen ist prinzipiell vorhersehbar. Geben wir diesen Anwendungen jetzt aber die Möglichkeit, nicht vorhersehbare Verknüpfungen neu zu definieren, so werden Abgleichungsprozesse in Gang gesetzt, welche so vorher nicht vorhersehbar waren. Ein neues flexibles Netzwerk aus Knotenpunkten erkennt gleichartige Daten viel schneller und kann diese miteinander abgleichen. Dieser Prozess wird als „lernen“ bezeichnet.

Beispiel für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz

In vielen Unternehmen wird KI heute bereits genutzt. Denken wir nur an Amazon, welche ihre Nachfrageprognosen dafür benutzen, Lagerkosten zu sparen und Lieferketten zu optimieren. Auch im Bereich der Spracherkennung wird die KI eingesetzt und z.B. mit Alexa (Amazon) immer weiter entwickelt. So ist es möglich, Emotionen und Krankheitsbilder aus der Stimme auszulesen, um darauf basierend individuelle Angebote für den Kunden zu erstellen.

Und genau hier schlagen wir die Brücke zum Coaching. Die Spracherkennung ist als lernende Mustererkennung mittels KI eine Technik, welche heute schon im Bereich Personal eingesetzt wird. Einige DAX-Konzerne nutzen eine Software, welche die Kombination von Wörtern und die Bildung von Sätzen und Sprache auf bestimmte Muster untersucht. Dieses ist nützlich für Bewerbungsverfahren, Persönlichkeitstests und Entwicklungsgespräche. Basierend ist dieses auf psycholigischen Tests wo z.B. untersucht wird, welche Wörter ängstliche Menschen am häufigsten gebrauchen. Menschen sprechen mit einer Maschine über einen ganz normalen Alltag und im Hintergrund läuft der Datenabgleich.

Menschen verraten mit ihrer Stimme immer etwas über Emotionen – ob sie es wollen oder nicht. Das ist auch interessant für Coaches. Noch kann die Technik die phonetischen Eigenschaften (Klangbild, Klangfarbe) einer Stimme nicht analysieren, aber die Entwicklung schreitet stets voran.

Was bedeutet das für unsere Zukunft im Coaching?

Bei Facebook und Amazon haben wir bereits gesehen, dass Maschinen uns unsere Entscheidungen abnehmen können. Ich glaube nicht, dass KI ein Coaching komplett ersetzen kann, aber KI-Tools können den Coach auf jeden Fall unterstützen und ihm in nachgelagerten Entscheidungsprozessen zur Seite stehen. Auf jeden Fall sollten wir anfangen, uns intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen.

Ich glaube allerdings auch, wir dürfen nicht ausschließlich und blind vertrauend einen Zusammanhang herstellen, zwischen Sprache – Gestik – Mimik, und der Persönlichkeit eines jeden einzelnen. Oft ändern sich die Anliegen der Coachees während eines Gespräches und das erstgenannte Problem stellt sich nicht als die tatsächliche Herausforderung dar. Aber während der Coach sich ganz und gar auf den Coachee einlässt, empathisch wirkt und den Klienten ganzheitlich wahrnimmt, kann ein Tool ganz sachlich und nüchtern die äußere Haltung und Sprache analysieren. Es obliegt dann dem Coach, diese Ergebnisse entsprechend einzuordnen und zu bewerten.

Aber wir werden um diesen Fortschritt nicht umher kommen und sollten derartige Tools mit in unseren Coaching Prozess einladen.