Podcastfolge #006 – Keine Angst vorm Auswandern – Interview mit Nathy Ravez

4.03.2022 | Podcast, Fehler, Interview | 0 Kommentare

Angst vorm Auswandern

Ich hatte keine Angst vorm Auswandern von Frankreich nach Deutschland

Damals hatte Nathy keine Angst davor. Heute weiß sie nicht mehr, wie sie es möglich machte. Nathy war bereits nach ihrem Abitur für ein Jahr nach Deutschland gekommen. Bevor sie sich vor einigen Jahren dazu entschieden hatte, hier ein neues Leben gemeinsam mit ihrer Tochter aufzubauen, ist einiges in ihrem Leben passiert. Auf die Frage hin, ob es ein Fehler war, nach Deutschland auszuwandern, sagt sie ganz klar nein.

Erfahre in dieser neuen Podcastfolge ihre Geschichte, wie sie trotz Sprachbarriere diese Schritte wagte. Nathy ist heute eine erfolgreiche Karrierefrau und baut nebenbei sogar ihr eigenes Business auf. Fehler machten ihr damals nichts aus. Denn sie hatte einen anderen Grund, der alles ins Laufen brachte.

Die Liebe machte es möglich

Oh ja, die Liebe. Sie kann vieles in die Wege leiten. So ging es auch damals Nathy, als sie mit jungen 15 Jahren zum ersten Mal nach Deutschland kam. Während eines Schüleraustausches verliebte sie sich in einen Jungen, welcher der Grund dafür war, Deutsch als Sprache zu lernen. Ganze drei Jahre lang hielt sie weiterhin Kontakt mit ihm, indem Briefe hin und her geschrieben wurden. Und anstatt nach dem Abitur das Jura-Studium zu beginnen, kam der Anruf von ihrem Freund, welcher alles in die Wege leitete. Eine Stelle als Au-pair-Mädchen war im Bekanntenkreis des Jungen frei. Ohne großartig darüber nachzudenken, nahm Nathy diese Stelle an, um ihrem Liebsten wieder nahestehen zu können! Nathy musste bei dieser Geschichte lachen. Denn ihre gemeinsame Zeit dauerte ganze drei Monate.

Als es nach der Zeit in Deutschland wieder nach Frankreich ging, entschied Nathy sich doch noch für ein Studium und nahm im Anschluss eine Stelle für Debitel in Paris an und arbeitete somit das erste Mal für eine deutsche Firma. Nach weiteren drei Jahren erhielt sie ein Stellenangebot in Deutschland. Aus einem 3-Jahres-Plan wurden am Ende doch 10 Betriebsjahre. In dieser Zeitspanne verliebte sie sich, hatte geheiratet, wurde Mama und war am Ende geschieden. Was den Weg wieder zurück nach Frankreich einleitete – jedoch nur für 4 bis 5 Jahre. Denn seit 2013 lebt Nathy wieder gemeinsam mit ihrer Tochter in Deutschland in Karlsruhe. Sie nennt es selbst ihre Liebesgeschichte mit Deutschland.

Das Auswandern nach Deutschland war kein Fehler

Ob sie Sorgen oder Angst vorm Auswandern hatte? Nathy ist sich sehr sicher: Sie hatte weder Angst davor, noch hatte sie Angst, Fehler zu machen. Auch nicht in der Sprache. Nathy erinnert sich sogar zurück an lustige Momente, die sie aufgrund ihrer anfänglichen Sprachbarriere hatte. Mit Mitte zwanzig war sie damals noch schüchtern, aber das war kein Grund, sich für Fehler zu schämen.

Das änderte sich allerdings. Denn diese Ängste kamen erst mit den Jahren. Wenn sie heute daran zurückdenkt, was sie früher alles gemeistert hatte, kann sie es sich heute nicht mehr erklären, wie! Denn heute sieht es anders aus. Sie steht dauernd vor Fehlern. Und ihr eigener, größter Fehler ist es zu versuchen, keine Fehler mehr zu machen. Es ist fast schon eine Krankheit, denn sie möchte die Kontrolle nicht verlieren. Ihr soll niemand etwas vorwerfen können. Dafür hat sie eine sehr gute Schlagfertigkeit entwickelt, die aber eher ihren Glaubenssatz “Ich muss alles richtig machen” überdecken soll.

Bewerten wir Fehler im Alter anders?

Oder verlernen wir zu bewerten? Als Kind hast du Angst, etwas falsch zu machen. Nathy ist auch aufgefallen, dass auch manche erwachsene Frauen immer Angst vor Fehlern haben. Besonders sie machen sich oft viele Gedanken. In Nathys Fall hat es viel mit der Arbeit zu tun. Die Position, die sie heute in ihrem Angestelltenverhältnis hat, hatte sie sich hart erarbeitet. Und genau diese Anerkennung macht ihr Angst. Sie hat immer das Gefühl, dieser nicht gerecht zu werden.

Als Kind denkt man nicht über die Nachwirkungen seines Tuns nach. Dies kommt er später im Alter, wenn der Verstand mehr dazu kommt. Dazu kommt noch, dass wir über vieles oft zu viel nachdenken und zu vorsichtig werden können. Denn leider bleiben uns eher die negativen Erfahrungen im Gedächtnis, als die Guten. Schlechte Ereignisse prägen das Leben mehr.

In Nathys Fall kamen die Ängste für Fehler zusammen mit großer Verantwortung, obwohl sie sehr positiv eingestellt ist. Doch je mehr Verantwortung und Lob sie erhält, desto mehr zweifelt sie an sich, ob sie ihren Aufgaben wirklich gewachsen ist. Am Ende merkt sie dann oft, dass es ja doch eher einfach war. Das passiert, weil sie sich selbst unter Druck setzt und immer gute Arbeit liefern will. Den hohen Stab setzt sie sich selbst und hat nur mit ihr zu tun, weil sie niemanden enttäuschen will. Heute ist sie nicht ängstlich, aber unterliegt eben ihrem eigenen Druck.

Ist es wichtig, was andere über uns denken?

Nathy fällt direkt ein aktuelles Beispiel dazu ein. Gerade startet sie nebenberuflich ein Business als Podcast-Mentorin. Zu Beginn ihres Instagram-Auftritts war sie unglaublich verunsichert über die korrekte Grammatik in ihren Social Media Posts. Also ja, zu bestimmten Zeiten ist es ihr wichtig, was andere über sie denken. Das war aber nicht immer in diesem Ausmaß.

Vor acht Jahren war sie im Einklang mit sich selbst. Keiner hätte ihr hereinreden können. Auch nicht in Bezug zu ihrer Tochter. Als Nathy die Entscheidung getroffen hatte, wieder nach Deutschland auszuwandern, zögerte sie keinen Moment. Sie glaubte an sich selbst und an das Wohl ihrer Tochter. Das reichte, um ihren Job in Frankreich zu kündigen, ihre Tochter an der Schule anzumelden und mit ihrem Polo nach Deutschland zu fahren. Da kann man nicht von Angst vorm Auswandern sprechen.

Nathy war sich in dem Moment absolut sicher: In zwei Monaten wird sie wieder einen neuen Job finden und alles wird gut. Sie kennt sich selbst sehr gut. Auch, wenn diese Sicherheit von der Tagesform und verschiedenen Phasen abhängt. Aber in der Regel konnte sie sich immer auf sich selbst verlassen.

Du brauchst einen Motor

Wenn man sie heute fragt, wie sie das damals alles in die Wege leiten konnte, kennt sie genau den Grund. Sie hatte in dem Moment nicht viel darüber nachgedacht, sondern einfach gehandelt. Auslöser war ihre damals 11-jährige Tochter. Nathy war so beschäftigt, dass sie sogar ihren eigenen Geburtstag vergaß. Collin jedoch schaffte es, eine Überraschungsparty für sie zu organisieren. Danach schlug sie Nathy vor, wieder nach Deutschland zu ziehen, damit sie sich mehr ausruhen könne.

Gerührt von diesen Worten leitete Nathy alles in die Wege. Nachdem klar war, dass Collin einen Platz in der Schule bekam, nahm alles seinen Lauf. Der Job wurde gekündigt, alle Möbel wurden verkauft und einen Platz bei der Freundin in Deutschland gesichert. Sie ist durch und durch Mutter und alles andere war in dem Momemt egal.

In Deutschland angekommen, fiel Nathy in ein Loch. Sie funktioniert, solange sie Dinge zu tun hat. Damit lenkt sie sich selbst ab, weil es ihre Art ist zu funktionieren. Aber wie vorhergesehen, fand Nathy schnell einen neuen Job als Projektleiterin und konnte diesem Loch entfliehen.

Wenn sie heute nochmal vor derselben Entscheidung stünde, würde sie es allerdings nicht mehr so machen. Dafür ist sie heute zu ängstlich. Doch trotz ihrer Angst startet sie dieses Jahr ihr eigenen Business und geht in die Selbstständigkeit. Jetzt geht es nur um sie und sie muss für keinen anderen stark sein. Deswegen stellt sie sich 1000 Fragen, was früher nie der Fall gewesen wäre. Dennoch: Heute weiß sie, dass sie auch dann gut ist, wenn sie keinen Erfolg hat. Es ist wichtig zu lernen, auch mal innezuhalten und nichts zu machen.

Shownotes:

Du willst mehr über Nathy erfahren? Dann schaue doch gerne mal auf ihren Kanälen vorbei:

Podcast Biz à la carte (Veröffentlichung am 8. März 2022)

Instagram: @nathyravez

Höre dir hier die Podcastfolge #006 an:

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Holger Götze Coaching

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